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Die Reichsabtei St. Maximin 

Die Abtei im 18. Jahrhundert 

Foto: Stefan Kühn CC BY-SA 3.0

Die Reichsabtei St. Maximin (lat. Abbatia Sancti Maximini) war das größte und einflussreichste der vier früheren Benediktinerklöster in Trier. Die Reichsabtei war eines der ältesten Klöster Westeuropas. 

Von den Gebäuden ist lediglich das Eingangsportal und die ehemalige Kirche aus dem 17. Jahrhundert erhalten. Heute werden die Klosterreste als Sporthalle einer katholischen Privatschule und als Konzertraum genutzt wird. 

Unter der Kirche befindet sich ein antikes Gräberfeld mit über 1.000 Sarkophagen.


Geschichte

Bis zur Säkularisation

Wappen der Reichsabtei St. Maximin

Das Kloster wurde der Legende nach durch den Bischof Maximin von Trier im 4. Jahrhundert gegründet. Bischof Maximin starb während einer Reise von Konstantinopel nach Poitiers im Jahr 346. Seine Gebeine wurden 353 durch seinen Nachfolger Paulinus (Bischof von 347 bis 358) nach Trier überführt. Die Klosterkirche stand zunächst unter dem Patrozinium des Hl Johannes. Später wurde sie nach ihrem Erbauer benannt.

Nicht nur eine Legende, sondern sicher nachzweisen ist, dass im 4. Jahrhundert auf dem nördlichen Gräberfeld des römischen Trier ein christliches Grabgebäude erbaut wurde. An der Grabstätte wurde im 6. Jahrhundert eine Benediktinerabtei gegründet, welche später zur Reichsabtei wurde.

Das Kloster wurde am 5. April 882 durch die Normannen zerstört. 899 zog sich Regino von Prüm, welcher vorher Abt von Prüm war, in das Kloster St. Maximin in Trier zurück. 909 wurde Eberhard von Franken Laienabt des Klosters. 937 besiedelte man von St. Maximin aus das Mauritiuskloster in Magdeburg. In den Jahren 942 bis 952 erfolgte unter Abt Hugo der Wiederaufbau der 933 eingestürzten alten Kirche.

ehem. Eingangspforte

Vom 10. bis Mitte des 12. Jahrhunderts waren die Grafen von Luxemburg Vögte der Abtei, unter anderen waren dies:

  • Siegfried I. († 28. Oktober 998)
  • Heinrich IV. (* 1112; † 14. August 1196 in Echternach)

Der Versuch Adalberon von Munsterols, die reichsunmittelbare Abtei St. Maximin unter seine Jurisdiktion (Rechts- und Verwaltungshoheit eines kirchlichen Amtsträgers) zu beugen, misslang. 1140 gewährte der Papst den Mönchen eine Bestätigung ihrer Exemption (Eigenständigkeit). Im 13. Jahrhundert wurde das Kloster durch einem Brand zerstört. Der Wiederaufbau erfolgte nach dem alten Grundriss.

Die Reichsunmittelbarkeit des Klosters war lange Zeit umstritten. Sie wurde durch Kurtrier (das politische Herrschaftsgebiet des Erzbischofs von Trier) angefochten. 1669 unterwarfen sich Abt und Konvent endgültig unter Verzicht auf die Reichsunmittelbarkeit der kurtrierischen Landeshoheit.

Aufgrund der langen Auseinandersetzung über die Reichsunmittelbarkeit und der damit zusammenhängenden unklaren Herrschaftsrechte sind aus dieser Zeit viele Quellen als konkrete Beweismittel für ausgeübte Herrschaftspraxis erhalten. 

Stich der Abtei im 17. Jhdt.

Davon hat zum Beispiel die Forschung über Hexenprozesse im Trierer Land profitiert: Aus St. Maximin liegen noch ca. 250 vollständige Prozessakten und mehrere Fragmente von Hexenprozessen sowie Listen über Besagungen (Anzeige anderer Hexen unter Folter) und Hinrichtungen vor. Diese belegen für das Gebiet von St. Maximin eine zeitweilig »gut organisierte Hexenjagd«, wohingegen in Kurtrier fast alle Akten vernichtet worden sind.

Während der Reunionskriege (Holländischer Krieg)  wurde 1674 das Kloster von französischen Truppen völlig zerstört. Unter Abt Alexander Henn (amtierte 1680-1698) wurde es in den Jahren 1680 bis 1684 vom Baumeister Hans N. Kuckeisen unter Erhalt gotischer Formen ein weiteres Mal neu aufgebaut.

Der Aufbau wurde finanziert durch eine größere Anzahl von Darlehen von vielen Privatleuten (heute würde man sagen Crowdfunding  → Schwarmfinanzierung). So ist zum Beispiel überliefert, dass Philipp Dictius-Dixen, Fährmann zu Schweich, 1674 dem Kloster St. Maximin 256 Reichstaler, später nochmals 200 Reichstaler, für den Wiederaufbau der Abteikirche lieh. Die Abtei zahlte alle Darlehen zurück. Teilweise erfolgte die Rückzahlung 70 Jahre später an die Erben.

                

Historisches Eigentum der Abtei in der Umgebung

Abbildung von St. Maximin auf dem Trierer Gerichtsbild von 1589

Die Besitzungen der Abtei werden durch zahlreiche Urkunden dokumentiert. So kamen die folgende Besitzungen zur Abtei: Weimerskirch (wurde 723 von Karl Martell dem Kloster geschenkt), Laubuseschbach, Kenn (beide wurden 893 von Arnulf von Kärnten dem Kloster als Hofgut geschenkt), Guntersblum (wurde 897 von Zwentibold als Besitz des Klosters bestätigt), Mamer (wurde 960 dem Kloster geschenkt), Norheim (kam durch Tausch 962 zur Abtei ), Tiefenthal [Rheinhessen] (1051), Uhler (1200; in der Urkunde der Reichsabtei als »owilre« erwähnt), Hosten (frühes 13. Jahrhundert), Burg Rittersdorf (1263 als Besitz der Abtei erwähnt), Kretz (1273) und Dankerath (1276). 

Die Reichsabtei St. Maximin war seit frühester Zeit in Luxemburg (Stadt) begütert. Ihr Vogt, Graf Siegfried I., war von karolingischer Abstammung. Einer seiner Vorfahren mütterlicherseits war »Karl der Große«. Graf Siegfried erwirbt im Jahre 963 von der Abtei St.Maximin einen römischen Wachturm an der Kreuzung zweier Fernstraßen in der Nähe des Fischmarktes. Den Wachturm auf einem Felsvorsprung am Hang des Flusses Alzette baute er zur Burg ›Lucilinburhuc‹ aus. Diese kleine befestigte Burg an den Hängen des Flusses Alzette war die Keimzelle der heutigen Stadt  Luxemburg. Der Name der Stadt, die sich um die Burg herum bildete, ging später auf das Land um die Stadt herum über. Heute tragen Stadt und Land den gleichen Namen.

Abtei St. Maximin (Mitte) und St. Paulin (li.) vor der Stadtmauer (re. unten). Stich von 1646, wohl nach einer Ansicht von 1548 oder 1550

Auch nach Gründung von Stadt und Land blieb die Abtei mit einer Niederlassung dort präsent, dem sogenannten Refugium St. Maximin. Heute dient das Gebäude gleich neben der Kathedrale ›Unserer lieben Frau von Luxemburg‹ (luxemburgisch Kathedral Notre-Dame, französisch Cathédrale Notre-Dame de Luxembourg)  als Luxemburger Außenministerium.

        

Nutzung seit der Säkularisation

Nach der Säkularisation des Klosters St. Maximin im Jahr 1802 wurde das Anwesen umgestaltet und als Kaserne (Maximinkaserne), Garnisonkirche, Gefängnis und Schule genutzt.

Zu diesem Zweck wurden in der Kirche Zwischenwände und -decken eingezogen. Diese wurden im östlichen Teil zur Einrichtung, der Garnisonkirche, bereits 1876 wieder entfernt.

In dem als Garnisonkirche eingerichteten Teil baute man neugotische Fenster ein. Die oberen Geschosse der beiden Türme wurden abgerissen und durch einfache Pyramidendächer ersetzt.

Bereits seit 1871 lagen Teile des 7. Rheinischen Infanterie-Regiments Nr. 69  dort in Garnison. Andere Teile des Regimentes wurden disloziert (in einem bestimmten geografischen Raum verteilt) und in der Agneten-, Goeben- und in der Palastkaserne stationiert.

Abtei St. Maximin im 18. Jhdt.

1899 belegte das Triersche Feldartillerie-Regiment Nr. 44 einen Teil der Gebäude der ehemaligen Abtei. Anfang des 20. Jahrhunderts wurde der größte Teil der noch vorhandenen Klostergebäude abgerissen. Die ehemalige Abteikirche blieb aber erhalten.

Nach der kurzzeitigen Belegung durch Einheiten des amerikanischen Expeditionskorps in Europa (American Expeditionary Forces, Europe), übernahmen die Franzosen 1919 die Kaserne und benannten sie um in »Quartier Verdun«.

Das französische 41. Artillerie-Regiment (41° Régiment d’artillerie de Champagne, 41° RAC) lag dort bis zum 31. Dezember 1928 in Garnison.

Den östlichen Teil des ehemaligen Kirchenschiffes nutzten auch die Franzosen als Garnisonkirche.

Im Zweiten Weltkrieg wurde das Gebäude kurzzeitig durch die Wehrmacht mit dem Infanterie-Regiment 125 belegt.

Der  Rest der Abteibauten wurde in Folge von Bombenangriffen am 14. August 1944 zerstört.

Truppen der 1. US-Infanteriedivision in der Maximin-Kaserne im November 1918.

1953 wurde bei Ausschachtungen für das Trierer Versorgungsamt im Süden des Kirchbaus ein kleiner, rechteckiger Grabbau mit Apsis (11,7 × 4,7 Meter) entdeckt und vom rheinischen Landesmuseum Trier freigelegt.

An dem Gebäude konnten mehrere Bau- und Belegungsphasen aus römischer bis frühmittelalterlicher Zeit nachgewiesen werden. Ein Teil des Fundes konnte mit drei Sarkophagen im Keller des Versorgungsamtes konserviert werden.

Nach dem Ende der Nutzung als Schule und Wohngebäude wurde 1979 bis 1995 die in den Besitz des Bistums Trier übergegangene ehemalige Abteikirche St. Maximin zu einer Turn- und Festhalle umgestaltet.

Die späteren Einbauten wurden zunächst entfernt und nach Plänen von Gottfried Böhm Stahlkonstruktionen mit Netzen als bewegliche Raumteiler eingezogen. Der ursprüngliche, nun wieder freigelegte Sakralraum wurde jedoch in seinen Formen belassen.

Die ursprünglichen Fenster des Kirchenschiffes wurden nach gefundenen Bruchstücken zum größten Teil rekonstruiert. Die nach 1802 abgebrochenen Turmgeschosse (siehe weiter oben) wurden nicht wieder aufgebaut. Die verbliebenen Turmgeschosse erhielten statt der Pyramidendächer nun umlaufende Balustraden.

Der so entstandene Konzertraum bietet ca. 1.200 Besuchern Platz. Hier finden in unregelmäßigem Turnus Konzerte statt. Der Raum ist für seine hervorragende Akustik bekannt. Die Halle war außerdem bei schlechtem Wetter Ausweich-Spielort der von 1998 bis 2010 veranstalteten Antikenfestspiele.

Foto: Stefan Kühn, CC BY-SA 3.0

Die Umnutzung einer ehemaligen Kirche als Turn- und Mehrzweckhalle war seinerzeit umstritten, stellte jedoch den weiteren Erhalt der Kirche sicher und machte den Innenraum wieder erlebbar.

1983 zog die Kath. Konstantin Hauptschule Trier in die Gebäude neben der ehemaligen Abteikirche. 1996 wurde die Schule aufgrund des Standorts in Privatschule St. Maximin, ›Hauptschule in Trägerschaft des Bistums Trier‹ umbenannt. Die Schule hat etwa 450 Schüler und bietet ein 10. Schuljahr zur Erlangung des qualifizierten Sekundarabschlusses an.

Seit mehreren Jahren kann das bei der Wiederherstellung der Kirche unter St. Maximin entdeckte Gräberfeld bei Gruppenführungen (auf Anfrage vom Bischöflichen Dom- und Diözesanmuseum) besichtigt werden: Über 1.000, meist schlichte Sarkophage liegen hier. Die ältesten stammen aus dem 2. Jahrhundert. Eine kleine Anzahl der Sarkophage steht unter den Grundmauern der heutigen Kirche und stützt damit seit Jahrhunderten den aktuellen Bau. In einigen Sarkophagen wurden neben menschlichen Resten auch Schmuck gefunden. Manche von den Sarkophagen werden noch heute von Restauratoren mit modernster Technik ausgewertet.             


Quellen: bistum-trier.de; welt-der-wappen.de; de.wikipedia.org; luxembourg-city.com; volksfreund.de